Ich selber war ein Waisenkind und es war immer mein Wunsch, eines Tages irgendetwas zu Gunsten anderer Waisen zu unternehmen. Aber ich wusste nie, was ich unternehmen und wie ich es anpacken sollte.
Im Jahre 1990 kam ich zum ersten Mal seit meiner Kindheit nach Tibet zurück. Normalerweise sind alle Leute, die nach Tibet reisen, an der Religion oder an der Landschaft interessiert oder besuchen ihre Verwandten. Als ich dort eintraf, sah ich nur Waisenkinder oder Strassenkinder. Ich war so beeindruckt von diesen armen Geschöpfen, dass ich mich dafür entschied, etwas für diese Kinder zu unternehmen. Es gibt überall auf der Welt Waisen, aber ich bin Tibeterin und ich wollte unbedingt den Waisenkindern in Tibet helfen.
Nach meiner Rückkehr in die Schweiz liess mich dieser Gedanke nicht mehr los und ich besprach dieses Thema mit meiner Familie und mit Freunden. Vorerst waren alle der Meinung, dies sei ein unrealistischer Traum und ich solle die Idee vergessen. Ich bin weder reich noch gut ausgebildet und wusste praktisch nichts über die Situation in Tibet. Aber ich konnte mir meine Idee einfach nicht aus dem Kopf schlagen und eines guten Tages entschied ich einfach, zu beginnen. Es war kein sorgfältig ausgedachter Plan – es war einfach etwas, das aus meinem Herzen kam. In der Folge löste ich alle meine Ersparnisse sowie meine Lebensversicherung auf und ging zurück nach Tibet.
Es war nichts einfach. Es gab sehr viele Probleme. Aber ich ging davon aus, dass wenn ich stark bin und anderen Leuten traue, werden diese auch mich respektieren und mir beistehen, sodass dieses Projekt erfolgreich sein wird. Andernfalls hätte ich nicht gewusst, wie es weitergehen soll. Ich dachte, es nicht zu versuchen würde das Ende meines Daseins bedeuten. So begann ich einfach. Jedes Mal wenn ich traurig oder beunruhigt war, oder nicht mehr weiter wusste, kam mir jemand zu Hilfe. Dies ist der Grund, weshalb dieses Projekt funktioniert – dank der Hilfe durch zahlreiche Personen, sowohl in Europa, den USA wie auch in Tibet und China.
Als ich in Tibet eintraf, war es Winter und es war sehr kalt. Eines Tages sah ich zwei Bettelkinder, die sehr schlecht gekleidet waren und in Abfallkübeln nach Essbarem suchten. Ich sah mich sofort selbst in diesen Kindern und entschloss mich kurzerhand, diesen beiden eine Mahlzeit zu geben. Wir gingen zu einem Restaurant. Der Manager liess uns jedoch nicht eintreten. Da wurde ich sehr wütend und stritt mit diesem Mann und zwang ihn, uns etwas zu essen zu geben. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich für eine fremde Person und nicht für mich selber oder für meine Familie kämpfte. Von da an war für mich klar, dass es mein einziges Ziel war, für die Rechte dieser Kinder zu streiten und zu kämpfen.
Kurze Zeit danach begab ich mich zum Tibet Development Fund (TDF) in Lhasa und besprach mit den Beamten dieser Behörde meine Pläne und die Situation der Waisenkinder in Tibet.
Ich hatte etwa 800 Schweizerfranken von Gönnern erhalten und mit meinen persönlichen Ersparnissen und Darlehen von Freunden und Verwandten brachte ich etwa 28'000 US Dollar zusammen. Mit diesem Geld wollte ich ein Gebäude für ein Waisenhaus mieten. Die TDF-Leute empfahlen mir jedoch, ein Haus bauen zu lassen, da dies auf längere Sicht die bessere Lösung wäre und offerierten mir, für ein Stück Land besorgt zu sein.
Dieses Land fand ich in Toelung und wir begannen mit dem Bau im Mai 1993. Alle Beteiligten arbeiteten Tag und Nacht und am 6. Oktober 1993 konnte das Waisenhaus mit sieben Kindern und einem Hauselternpaar in Betrieb genommen werden. Ich suchte diese Kinder aus einer Gesamtzahl von rund 50 Kindern aus, die alle Hilfe nötig hatten. Da meine Geldmittel beschränkt waren, konnte ich leider nur die sieben Kinder aufnehmen.
Dank der Hilfe von zahlreichen Freunden in der Schweiz starteten wir 1995 mit Stiftung, um das Waisenhaus in der Zukunft unterstützen zu können. Sieben Personen arbeiten hart und ohne Entschädigung während ihrer Freizeit, um Geld für unser Projekt aufzutreiben und um sicher zu stellen, dass das ganze Geschäft transparent abgewickelt wird. Unterstützt wird die Stiftung in der Schweiz tatkräftig durch unsere Partnerorganisationen in Deutschland und Österreich. Jährlich finden in der Schweiz, Deutschland und Österreich Orientierungsanlässe statt, wo über die Arbeiten, die Fortschritte im Hilfswerk und die Entwicklung der Kinder orientiert wird.
Eine zentrale Rolle im Funktionieren des ganzen Kinderhilfswerks spielt auch mein Mann Losang. Zum Zeitpunkt seiner Pensionierung ist er „hauptberuflich“ mit in die Arbeit für die Kinder eingestiegen. Wir verbringen ca. 9 Monate im Jahr gemeinsam in Tibet und teilen uns die Freuden, die Last und die Verantwortung der täglichen Aufgaben.
Dank all der Hilfe und Unterstützung die wir von Familie, Freunden, Interessenten und Besuchern aus der ganzen Welt erfahren haben und noch immer erfahren, sind uns genug Mittel zugeflossen, die es uns erlaubt haben, unser Projekt nachhaltig auszubauen, mehr Kinder aufzunehmen und einige zusätzliche Projektideen zu verwirklichen.
Zurzeit verfügen wir über zwei Waisenhäuser – eines in Toelung, ca. zwölf km westlich von Lhasa, und ein zweites in Gyalthang, Provinz Yunnan. Total geben wir zurzeit 103 Kindern ein Zuhause. In beiden Heimen werden die Kinder durch je ein Hauselternpaar betreut. Einige unserer grösseren Kinder besuche schon externe Schulen in China und andere besuchen Boarding-Schulen in Lhasa und Gyalthang. Unsere Waisenhäuser sind nach wie vor das Zuhause aller Kinder – gross und klein – wir sind ihre Familie. Sie können zu uns zu Besuch, wann es ihnen beliebt.
In Lithang, Provinz Sezchuan, unterstützen wir 63 Nomadenkinder, in dem wir ihnen den Aufenthalt in einer Nomadenschule ermöglichen. Sie erfahren in der Nomadenschule eine Grundausbildung in Lesen und Schreiben, die für ihr tägliches Leben in der Zukunft sehr wichtig sein wird. Zusätzlich ermöglicht das Hilfswerk 10 älteren Kindern in Thartsedo durch finanzielle Unterstützung eine höhere Ausbildung.
Jedes Kind ist ein Individuum und wir sind für jedes einzelne verantwortlich. Es genügt nicht, in einem schönen Haus zu wohnen und über etwas Geld zu verfügen. Wir müssen ständig für die Rechte jedes einzelnen Kindes kämpfen und wir müssen sicherstellen, dass sie sich auf vernünftige Weise entwickeln. Es ist die Aufgabe des Gärtners, um sicherzustellen, dass die Blumen zum Blühen kommen und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Qualitäten der Kinder zum Blühen kommen. Selbstverständlich sind immer Probleme vorhanden und die Arbeit geht nie aus. Aber niemand kann einen beim Pflanzengiessen hindern und niemand kann einen hindern, einem Kind zu helfen.
Ich hoffe, und dies ist auch die Hoffnung all jener die mich unterstützen, dass wir in der Lage sein werden, all unseren Kindern in den Heimen und den von uns unterstützten Kindern eine angemessene Ausbildung zuteil kommen zu lassen, so dass sie sich im Leben selbständig zurecht finden werden.
Trotz all der Schwierigkeiten, die ich während dem Aufwachsen dieser Kinder miterleben muss, fühle ich mich als die reichste und die glücklichste Person der Welt. Ich nehme an, dass dies auch für all jene zutrifft, die mir in diesem Projekt helfen. Die Kinder sind unser Lohn.
Wir sind überzeugt, dass wir auch in der Zukunft zusätzliche, uns gut gesinnte Leute finden werden, die bereit sind uns zu unterstützen. Falls wir imstande sind zusätzliche finanzielle Mittel aufzubringen, möchten wir im Rahmen einer neuen Projektidee den grösseren Kindern eine Berufsausbildung anbieten. So entwickelt sich das Hilfswerk immer weiter mit dem Ziel den Kindern konkrete Perspektive für die Zukunft bieten zu können.
Februar 2006, Tendol Gyalzur
info@tendol-gyalzur-tibet.ch
Im Jahre 1990 kam ich zum ersten Mal seit meiner Kindheit nach Tibet zurück. Normalerweise sind alle Leute, die nach Tibet reisen, an der Religion oder an der Landschaft interessiert oder besuchen ihre Verwandten. Als ich dort eintraf, sah ich nur Waisenkinder oder Strassenkinder. Ich war so beeindruckt von diesen armen Geschöpfen, dass ich mich dafür entschied, etwas für diese Kinder zu unternehmen. Es gibt überall auf der Welt Waisen, aber ich bin Tibeterin und ich wollte unbedingt den Waisenkindern in Tibet helfen.
Nach meiner Rückkehr in die Schweiz liess mich dieser Gedanke nicht mehr los und ich besprach dieses Thema mit meiner Familie und mit Freunden. Vorerst waren alle der Meinung, dies sei ein unrealistischer Traum und ich solle die Idee vergessen. Ich bin weder reich noch gut ausgebildet und wusste praktisch nichts über die Situation in Tibet. Aber ich konnte mir meine Idee einfach nicht aus dem Kopf schlagen und eines guten Tages entschied ich einfach, zu beginnen. Es war kein sorgfältig ausgedachter Plan – es war einfach etwas, das aus meinem Herzen kam. In der Folge löste ich alle meine Ersparnisse sowie meine Lebensversicherung auf und ging zurück nach Tibet.
Es war nichts einfach. Es gab sehr viele Probleme. Aber ich ging davon aus, dass wenn ich stark bin und anderen Leuten traue, werden diese auch mich respektieren und mir beistehen, sodass dieses Projekt erfolgreich sein wird. Andernfalls hätte ich nicht gewusst, wie es weitergehen soll. Ich dachte, es nicht zu versuchen würde das Ende meines Daseins bedeuten. So begann ich einfach. Jedes Mal wenn ich traurig oder beunruhigt war, oder nicht mehr weiter wusste, kam mir jemand zu Hilfe. Dies ist der Grund, weshalb dieses Projekt funktioniert – dank der Hilfe durch zahlreiche Personen, sowohl in Europa, den USA wie auch in Tibet und China.
Als ich in Tibet eintraf, war es Winter und es war sehr kalt. Eines Tages sah ich zwei Bettelkinder, die sehr schlecht gekleidet waren und in Abfallkübeln nach Essbarem suchten. Ich sah mich sofort selbst in diesen Kindern und entschloss mich kurzerhand, diesen beiden eine Mahlzeit zu geben. Wir gingen zu einem Restaurant. Der Manager liess uns jedoch nicht eintreten. Da wurde ich sehr wütend und stritt mit diesem Mann und zwang ihn, uns etwas zu essen zu geben. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich für eine fremde Person und nicht für mich selber oder für meine Familie kämpfte. Von da an war für mich klar, dass es mein einziges Ziel war, für die Rechte dieser Kinder zu streiten und zu kämpfen.
Kurze Zeit danach begab ich mich zum Tibet Development Fund (TDF) in Lhasa und besprach mit den Beamten dieser Behörde meine Pläne und die Situation der Waisenkinder in Tibet.
Ich hatte etwa 800 Schweizerfranken von Gönnern erhalten und mit meinen persönlichen Ersparnissen und Darlehen von Freunden und Verwandten brachte ich etwa 28'000 US Dollar zusammen. Mit diesem Geld wollte ich ein Gebäude für ein Waisenhaus mieten. Die TDF-Leute empfahlen mir jedoch, ein Haus bauen zu lassen, da dies auf längere Sicht die bessere Lösung wäre und offerierten mir, für ein Stück Land besorgt zu sein.
Dieses Land fand ich in Toelung und wir begannen mit dem Bau im Mai 1993. Alle Beteiligten arbeiteten Tag und Nacht und am 6. Oktober 1993 konnte das Waisenhaus mit sieben Kindern und einem Hauselternpaar in Betrieb genommen werden. Ich suchte diese Kinder aus einer Gesamtzahl von rund 50 Kindern aus, die alle Hilfe nötig hatten. Da meine Geldmittel beschränkt waren, konnte ich leider nur die sieben Kinder aufnehmen.
Dank der Hilfe von zahlreichen Freunden in der Schweiz starteten wir 1995 mit Stiftung, um das Waisenhaus in der Zukunft unterstützen zu können. Sieben Personen arbeiten hart und ohne Entschädigung während ihrer Freizeit, um Geld für unser Projekt aufzutreiben und um sicher zu stellen, dass das ganze Geschäft transparent abgewickelt wird. Unterstützt wird die Stiftung in der Schweiz tatkräftig durch unsere Partnerorganisationen in Deutschland und Österreich. Jährlich finden in der Schweiz, Deutschland und Österreich Orientierungsanlässe statt, wo über die Arbeiten, die Fortschritte im Hilfswerk und die Entwicklung der Kinder orientiert wird.
Eine zentrale Rolle im Funktionieren des ganzen Kinderhilfswerks spielt auch mein Mann Losang. Zum Zeitpunkt seiner Pensionierung ist er „hauptberuflich“ mit in die Arbeit für die Kinder eingestiegen. Wir verbringen ca. 9 Monate im Jahr gemeinsam in Tibet und teilen uns die Freuden, die Last und die Verantwortung der täglichen Aufgaben.
Dank all der Hilfe und Unterstützung die wir von Familie, Freunden, Interessenten und Besuchern aus der ganzen Welt erfahren haben und noch immer erfahren, sind uns genug Mittel zugeflossen, die es uns erlaubt haben, unser Projekt nachhaltig auszubauen, mehr Kinder aufzunehmen und einige zusätzliche Projektideen zu verwirklichen.
Zurzeit verfügen wir über zwei Waisenhäuser – eines in Toelung, ca. zwölf km westlich von Lhasa, und ein zweites in Gyalthang, Provinz Yunnan. Total geben wir zurzeit 103 Kindern ein Zuhause. In beiden Heimen werden die Kinder durch je ein Hauselternpaar betreut. Einige unserer grösseren Kinder besuche schon externe Schulen in China und andere besuchen Boarding-Schulen in Lhasa und Gyalthang. Unsere Waisenhäuser sind nach wie vor das Zuhause aller Kinder – gross und klein – wir sind ihre Familie. Sie können zu uns zu Besuch, wann es ihnen beliebt.
In Lithang, Provinz Sezchuan, unterstützen wir 63 Nomadenkinder, in dem wir ihnen den Aufenthalt in einer Nomadenschule ermöglichen. Sie erfahren in der Nomadenschule eine Grundausbildung in Lesen und Schreiben, die für ihr tägliches Leben in der Zukunft sehr wichtig sein wird. Zusätzlich ermöglicht das Hilfswerk 10 älteren Kindern in Thartsedo durch finanzielle Unterstützung eine höhere Ausbildung.
Jedes Kind ist ein Individuum und wir sind für jedes einzelne verantwortlich. Es genügt nicht, in einem schönen Haus zu wohnen und über etwas Geld zu verfügen. Wir müssen ständig für die Rechte jedes einzelnen Kindes kämpfen und wir müssen sicherstellen, dass sie sich auf vernünftige Weise entwickeln. Es ist die Aufgabe des Gärtners, um sicherzustellen, dass die Blumen zum Blühen kommen und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Qualitäten der Kinder zum Blühen kommen. Selbstverständlich sind immer Probleme vorhanden und die Arbeit geht nie aus. Aber niemand kann einen beim Pflanzengiessen hindern und niemand kann einen hindern, einem Kind zu helfen.
Ich hoffe, und dies ist auch die Hoffnung all jener die mich unterstützen, dass wir in der Lage sein werden, all unseren Kindern in den Heimen und den von uns unterstützten Kindern eine angemessene Ausbildung zuteil kommen zu lassen, so dass sie sich im Leben selbständig zurecht finden werden.
Trotz all der Schwierigkeiten, die ich während dem Aufwachsen dieser Kinder miterleben muss, fühle ich mich als die reichste und die glücklichste Person der Welt. Ich nehme an, dass dies auch für all jene zutrifft, die mir in diesem Projekt helfen. Die Kinder sind unser Lohn.
Wir sind überzeugt, dass wir auch in der Zukunft zusätzliche, uns gut gesinnte Leute finden werden, die bereit sind uns zu unterstützen. Falls wir imstande sind zusätzliche finanzielle Mittel aufzubringen, möchten wir im Rahmen einer neuen Projektidee den grösseren Kindern eine Berufsausbildung anbieten. So entwickelt sich das Hilfswerk immer weiter mit dem Ziel den Kindern konkrete Perspektive für die Zukunft bieten zu können.
Februar 2006, Tendol Gyalzur
info@tendol-gyalzur-tibet.ch